BANDIT

Er war nicht mein erster Hund.
Aber er war derjenige, der alles veränderte.
Mit ihm begann ein Weg, der mich nicht nur forderte, sondern formte – und mich dorthin führte, wo ich heute stehe.
Sein Name war nicht nur Programm. Er war ein Versprechen.

Mein Weg zu den Hunden

Ich war neun Jahre alt, als meine Eltern einen Schäferhund ins Haus holten. Bis dahin hatte ich Angst vor Hunden – ein Biss im Kindergartenalter hatte Spuren hinterlassen, die man nicht sah, aber spürte. Und plötzlich stand da dieses groß werdende Tier, und ich war „gezwungen“, mich mit dem Thema Hund auseinanderzusetzen.

Ich ging mit ihm spazieren, fuhr mit ihm Fahrrad, aber von Erziehung verstand ich damals wenig. Das überließ ich den Erwachsenen. Trotzdem legte dieser Hund den ersten Stein auf meinem Weg – ohne dass ich es wusste.

Percy – Der sanfte Anfang

Als ich auszog, merkte ich schnell: Es fehlte etwas. So kam Percy in mein Leben – ein Flat‑Coated‑Labrador‑Mix, ein Traumhund. Leicht zu erziehen, freundlich, treu, ein echter Gefährte. Mit ihm wurde Hundehaltung für mich etwas Natürliches, etwas Schönes.

Zwischendurch betreute ich Hunde von Freunden, sammelte Erfahrungen, lernte unterschiedliche Charaktere kennen. Und irgendwann war ein Hund nicht genug– und Nelly zog ein. Eine kleine Pinscher‑Mix‑Hündin aus dem Tierschutz, voller Energie, Lebensfreude und Chaos. Sie sollte Percy Gesellschaft leisten, und das tat sie mit Bravour.

Doch wie das Leben spielt, war Percys Zeit irgendwann vorbei. Nelly sollte jedoch nicht alleine bleiben – Und dann kam Bandit.

Bandit – Der Wendepunkt

Bandit war von Anfang an… anders. Er stellte jede Grenze infrage, riss aus, jagte, kläffte bei jedem Auslöser. Dominant‑aggressiv, impulsiv, mit extrem niedriger Frustrationstoleranz. Ein kleiner Terrorist auf vier Pfoten – und ich war überfordert.

Seine Herkunft – ein wichtiger Teil seiner Geschichte

Was viele nicht wissen: Bandit stammt ursprünglich von einem Animal‑Hoarding‑Hof. Er kam aus einer Umgebung voller Stress, Reizüberflutung und Unsicherheit. Eine Welt ohne Struktur, ohne Ruhe, ohne verlässliche Menschen.

Heute weiß ich: Er konnte gar nicht anders reagieren. Er war ein Produkt seiner Umstände – und gleichzeitig ein Hund mit unglaublicher Stärke.

Der Moment, der alles veränderte

Ich holte mir Hilfe. Trainer kamen ins Haus, zeigten mir aversive Methoden, rieten zu Druck, Härte, Unterdrückung. Bandit wurde schlimmer. Heute ist mir klar, warum.

Frustriert gab ich fast auf. Bis mein Mann eines Tages sagte: „Mach doch etwas beruflich mit Tieren.“

Zwei Tage später sah ich eine Anzeige: Hundetrainerausbildung – Praxis und Theorie.

Ich meldete mich an, skeptisch, misstrauisch, geprägt von schlechten Erfahrungen. Doch ich bekam ein Praktikum – und schon nach zehn Tagen wurde Bandit ansprechbarer, kontrollierbarer, ruhiger. Ich konnte wieder atmen.

Meine Ausbildung – und Bandits Wandel

Ich begann meine Ausbildung bei Claudia Hagerer in München – und bereue es bis heute nicht. Claudia, falls du das liest: Danke. (  www.hundegutachten.com)

Mit jedem Tag verstand ich Hunde besser. Mit jedem Tag verstand ich Bandit besser. Und mit jedem Tag verstand ich mich selbst besser.

Je mehr ich lernte, desto mehr veränderte sich unser Alltag. Bandit, der kleine Rebell aus schwierigen Verhältnissen, wurde Schritt für Schritt ein Hund, mit dem ich Dinge erleben konnte, die früher unvorstellbar waren.

Dank meiner Ausbildung und Claudias Anleitung konnten wir an HunderennenSocial Walks und anderen Veranstaltungen teilnehmen – ruhig, konzentriert, verbunden.

Und als Krönung: Wir bestanden die Begleithundeprüfung – auf Anhieb.

Ein Hund, der für mich einst als „hoffnungslos“ galt, stand plötzlich souverän an meiner Seite. Dieser Moment hat mein Leben verändert.

Wissen macht den Unterschied

Ich wollte mehr. Mehr verstehen. Mehr fühlen. Mehr richtig machen.

So kam ichzusätzlich zur Hundetrainerausbildung zu Ziemer & Falke, einem renommierten Ausbildungszentrum für Hundetrainer. Ich absolvierte unter anderem dort per Fernlehrgang die Ausbildung zum Coach für mentale Aromatherapie – und plötzlich wurde Bandit noch stabiler. Unterstützend, sanft, ergänzend zum Training.

Es folgten weitere Aus‑ und Fortbildungen. Bis heute. Weil Lernen nie endet. Und weil jeder Hund ein neues Kapitel schreibt.

Bandits Rentnerdasein – und mein Weg heute

Heute ist Bandit über 16 Jahre alt und genießt sein Rentnerdasein. Langsam, würdevoll, mit den kleinen und großen Baustellen, die das Alter mit sich bringt.

Seine Krankheiten und sein Alter haben mich dazu gebracht, mich intensiv mit Geriatrie, Ernährung, Training und Physiotherapie auseinanderzusetzen – aus Liebe, aus Verantwortung, aus dem Wunsch heraus, alten Hunden ein gutes Leben zu schenken.

So wurde Bandit nicht nur mein größter Lehrer, sondern auch der Grund, warum ich mich bis heute weiterbilde. Mein Weg ist ein stetiges Weitergehen – ein Lernen, ein Verstehen, ein Wachsen. Ein Weg, den ich keinen einzigen Moment bereue.


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